Wohnkomfort mit nachhaltigem Gebäudekonzept

In Zug entstand ein Haus mit grossen eingeschossigen Wohnungen. Das Gebäude ist im Minergie-Standard erbaut und mit einem intelligenten Hausleit- sowie einem Energiemanagementsystem ausgerüstet.

Wie im Einfamilienhaus wohnen und trotzdem bis ins hohe Alter dort leben können – mit dieser Idee erstellte ein Bauherr in Zug ein Mehrfamilienhaus. Neben komfortablem Wohnraum war Nachhaltigkeit für ihn ein wichtiger Punkt. Deshalb wurde das Gebäude im Minergie-Standard erbaut. Energetisch gesehen sind dabei die Gebäudehülle und die Fenster sehr wichtig: Bei den dreifach verglasten Airlux-Fenstern wird Luft in die Dichtungen geblasen, dadurch isolieren sie zu 100 Prozent. Das Gebäude selbst besitzt viel Speichermasse, auch die dicken Betondecken speichern Wärme.
Des Weiteren produziert eine PV-Anlage auf dem Dach elektrische Energie, die in einer Batterie gespeichert wird. Das Gebäude wird mit einer Wärmepumpe mit Erdsonden beheizt, und im Sommer kühlt die Fussbodenheizung mit Free Cooling 1 über die Erdwärmesonde. Der Bauherr wünschte sich zudem eine Regenwasser-sammlung für die Gartenbewässerung.

Planung
«Bereits bei der Planung eines Gebäudes berücksichtigen wir den Gedanken der Nachhaltigkeit», sagt die Architektin Lea Rickenbacher. «Denn dies hat einen Einfluss auf die Gebäudehülle und die Gebäudetechnik. Wenn wir später Anpassungen machen müssen, dann wird es kompliziert und teuer.» Der Bauherr dieses Gebäudes wählte eine KNX-Steuerung. «KNX ist aktuell das einzige System, das ich kenne, welches die Geräte so miteinander verbin-den kann, dass sie kommunizieren können», sagt der Elektroinstallateur Roland Baur von Speri & Bütler AG. Und Lea Rickenbacher ergänzt: «Für KNX muss der Bauherr schon etwas technikaffin sein, sonst wird er eher eine teure Küche wählen. Eine Investition in eine Steuerung rechnet sich jedoch, da nicht nur bei der Energie gespart werden kann, sondern auch beim Aufwand für die Abrechnungen und die Wartungskosten.» Der Bauherr findet Gebäudetechnik sinnvoll. So war für ihn auch klar, dass er hier investieren muss. Das Automationssystem wurde so geplant, dass das Licht angeht, wenn der Bewohner nach Hause kommt, die Storen werden hochgefahren, die gewünschte Musik wird eingestellt. «Die Bewohner sollen sich zu Hause fühlen», erklärt Roland Baur. Jeder Bewohner kann sich seine Szenen nach seinen Wünschen programmieren lassen. Das Licht (LED-Einbauspots rahmenlos) ist dimmbar, und während der Ferienabwesenheit kann eine Anwesenheitsbeleuchtung programmiert werden.

Energie wird optimal verbraucht
Das Energiemanagementsystem «Smart me» steuert die gesamten Funktionen und sorgt dafür, dass die Energie optimal im Haus verbraucht wird. Abrechnungen können auf Knopfdruck erstellt werden, die Heizkosten und der Warmwasserverbrauch werden automatisch verteilt, und es wird aufgezeigt, wie viel Strom selbst produziert und wie viel elektrische Energie eingekauft wurde. Die Stockwerkeigentümer verbrauchen den Solarstrom in einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). Per App sehen sie ihren Verbrauch. Auf Wunsch des Bauherrn ist das Steuerungssystem so eingerichtet, dass Standardwerte vorgegeben werden, zum Beispiel bei der Raumtemperatur. Natürlich können die Bewohner diese Werte an ihre Bedürfnisse anpassen, aber es ist nicht möglich, einfach an einem Thermostat die Wärme aufzudrehen. Dies geschieht über die App.

Zusammenarbeit der verschiedenen Partner
«Für mich als Installateur sind solche Aufträge spannend, denn die Elektroinstallation ist nicht einfach Standard, und die Planung ist anspruchsvoll», sagt Roland Baur. Im Gebäude gibt es grosse Fenster sowie Belüftungsanlagen. «Diese dürfen natürlich nicht gegeneinander arbeiten», erklärt Baur. «Wichtig ist, dass die Energie, die natürlich vorhanden ist, auch genutzt wird. Das heisst, dass nicht sofort die Klima anlage genutzt wird, um zu kühlen, sondern dass zuerst die Beschattungsan-lage zum Zuge kommt – es müssen alle Gewerke zusammenarbeiten.»

E-Mobility
Für sämtliche Parkplätze sind Ladestatio-nen vorgesehen, ein Eigentümer hat bereits ein Elektrofahrzeug. Die anderen können bei Bedarf nur noch die Ladestation montieren lassen, ohne weitere Vorinstallationen. «Hier ist es wichtig, dass das Energiemanagementsystem auch die Ladestationen managen kann. Wenn es sechs oder sieben Ladestationen sind, müssen diese miteinander kommunizieren können, damit das System nicht überlastet wird», sagt Roland Baur. Interessant ist auch die Briefkastenanlage, die elektronisch verriegelbare Paketfächer hat. Mit einem Code kann der Postbote die Box öffnen und Pakete liefern oder auch abholen – ein zukunftsträchtiger Service. Dieses gelungene Projekt zeigt, wie gut sich Lebensqualität und Technik miteinander verbinden lassen.

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